Pflegegrad Zeitaufwand Tabelle: Alle Module, Punkte & Stunden im Überblick
Aktualisiert: Februar 2026Lesezeit: 8 MinutenFachlich geprüft
Das Wichtigste in Kürze
Seit 2017 entscheidet nicht mehr der Zeitaufwand über den Pflegegrad, sondern der Grad der Selbstständigkeit in 6 Modulen
Pflegegrad 3 entspricht 47,5 bis unter 70 Punkte = schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Der durchschnittliche Zeitaufwand bei PG 3 liegt bei 3–5 Stunden täglich (als Orientierung)
Modul 4 (Selbstversorgung) hat mit 40% die höchste Gewichtung
Ein Pflegetagebuch hilft bei Höherstufungsanträgen und Widersprüchen
Inhalt
1. Zeitaufwand pro Pflegegrad – Vergleichstabelle
2. Die 6 Begutachtungsmodule im Detail
3. Tagesablauf bei Pflegegrad 3 – Wann fällt wieviel Pflege an?
4. Leistungen bei Pflegegrad 3 (Stand 2026)
5. So dokumentieren Sie den Pflegezeitaufwand
6. Häufige Fragen (FAQ)
Wie viel Zeit braucht die Pflege eines Menschen mit Pflegegrad 3 tatsächlich pro Tag? Diese Frage stellen sich Angehörige, die zum ersten Mal mit dem Thema Pflege konfrontiert werden. Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an – auf die Art der Einschränkung, auf die Wohnsituation und darauf, ob Demenz im Spiel ist.
Wichtig zu wissen: Seit der Pflegereform 2017 ist der Zeitaufwand kein offizielles Kriterium mehr für die Einstufung in einen Pflegegrad. Entscheidend sind die Punkte aus der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD). Trotzdem bleibt die Zeiterfassung wertvoll – für die Planung Ihres Alltags, für den Nachweis gegenüber der Pflegekasse und bei Höherstufungsanträgen.
1. Zeitaufwand pro Pflegegrad – Vergleichstabelle
Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für den täglichen Pflegezeitaufwand. Diese Werte basieren auf Erfahrungswerten aus der Pflegepraxis und ersetzen keine individuelle Begutachtung.
Pflegegrad 3
Schwere Beeinträchtigung
Punktebereich: 47,5 – < 70
3.0–5.0
Stunden / Tag
(180–300 Minuten)
Vergleich: Täglicher Zeitaufwand nach Pflegegrad
PG 1
30–90 Min
0.5–1.5 Std
PG 2
90–180 Min
1.5–3.0 Std
PG 3
180–300 Min
3.0–5.0 Std
PG 4
300–420 Min
5.0–7.0 Std
PG 5
420–600 Min
7.0–10.0 Std
Richtwerte zur Orientierung. Individuelle Abweichungen je nach Einschränkung, Demenz und Wohnsituation.
Gut zu wissen: Pflegestufe vs. Pflegegrad
Vor 2017 gab es drei Pflegestufen, die nach Minutenaufwand bemessen wurden (z.B. Pflegestufe 2 = mind. 180 Min/Tag). Seit 2017 gibt es fünf Pflegegrade, die nach Selbstständigkeit bemessen werden. Die alte Pflegestufe 2 ohne Demenz bzw. Pflegestufe 1 mit Demenz entspricht dem heutigen Pflegegrad 3.
💬
Kostenlose Pflegeberatung nutzen
Sie haben Anspruch auf eine kostenlose Pflegeberatung nach § 7a SGB XI. Lassen Sie sich zu Leistungen, Kosten und Anträgen beraten.
Kostenlos nach § 7a SGB XI – bei Ihrer Pflegekasse oder unabhängigen Beratungsstellen
2. Die 6 Begutachtungsmodule im Detail
Bei der Pflegebegutachtung bewertet der Medizinische Dienst sechs Lebensbereiche (Module). Jedes Modul wird gewichtet – Modul 4 (Selbstversorgung) zählt mit 40% am stärksten. Klicken Sie auf ein Modul für Details:
Wichtig bei Modul 2 und 3: Von den beiden Modulen „Kognitive Fähigkeiten" und „Verhaltensweisen" wird nur der höhere Wert für die Berechnung herangezogen. Beide zusammen fließen mit 15% Gewichtung ein – nicht jeweils 15%.
3. Tagesablauf bei Pflegegrad 3 – Wann fällt wieviel Pflege an?
Der Pflegeaufwand verteilt sich nicht gleichmäßig über den Tag. Der Morgen ist in der Regel am intensivsten. So sieht ein typischer Tag aus:
Neu seit 01.07.2025: Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege werden in einem gemeinsamen Jahresbudget von 3.539 € zusammengefasst. Sie können das Budget flexibel aufteilen – bis zu 8 Wochen Verhinderungspflege oder Kurzzeitpflege sind möglich. Die bisherige 6-monatige Vorpflegezeit entfällt.
5. So dokumentieren Sie den Pflegezeitaufwand
Ein Pflegetagebuch ist Ihr wichtigstes Werkzeug – bei der Erstbegutachtung, bei Höherstufungsanträgen und bei Widersprüchen. So führen Sie es richtig:
Checkliste: Pflegetagebuch richtig führen
✓Notieren Sie JEDE Hilfestellung mit Datum, Uhrzeit und Dauer
✓Beschreiben Sie auch gescheiterte Versuche (z.B. „Versuch selbst aufzustehen, musste gestützt werden")
✓Dokumentieren Sie nächtliche Einsätze besonders genau
✓Nutzen Sie das „Worst-Day-Prinzip": Beschreiben Sie schlechte Tage, nicht den Durchschnitt
✓Halten Sie auch Wartezeiten fest (z.B. Arztbesuche, Apothekengänge)
✓Notieren Sie Veränderungen im Verhalten (Unruhe, Aggression, Verwirrtheit)
✓Führen Sie das Tagebuch mindestens 2 Wochen vor der Begutachtung
6. Häufige Fragen (FAQ)
Hinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Pflegeberatung oder Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Leistungsbeträge Stand 2026, basierend auf den gesetzlichen Regelungen (SGB XI). Bei Fragen wenden Sie sich an Ihre Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe.